Autor: Derry Procaccini
Ein Proteinriegel kann praktisch sein und seinen Platz in der Ernährung haben. Die Aufschrift «Protein» allein macht ihn jedoch noch nicht gesund. Entscheidend sind die Proteinqualität, die gesamte Zusammensetzung, die Portionsgrösse und der Grund, weshalb wir ihn essen. Einen Riegel zu entwickeln, der diese Aspekte mit Geschmack, Konsistenz und Lagerstabilität vereint, ist eine echte Herausforderung. Aktuelle Studien helfen, sie zu verstehen, ohne damit ein negatives Urteil über die gesamte Produktkategorie zu rechtfertigen.
Für Swiss Natural Med bleibt diese Herausforderung offen: Keiner unserer bisherigen Versuche hat alle unsere Qualitätsstandards erfüllt. Wir arbeiten weiter daran, bieten vorerst jedoch keine Riegel in unserem Sortiment an. Hier erklären wir, welche Aspekte Aufmerksamkeit verdienen und wie sich ein Produkt jenseits der Versprechen auf seiner Verpackung beurteilen lässt.
Sport-, Protein- und Energieriegel: Was ist der Unterschied?
«Sportriegel» ist ein allgemeiner Begriff. Zwei äusserlich ähnliche Produkte können eine sehr unterschiedliche Zusammensetzung und Zielsetzung haben: Bei einem steht die Proteinversorgung im Vordergrund, beim anderen die Zufuhr von Kohlenhydraten für eine längere Belastung. Sie sollten nicht nach denselben Massstäben beurteilt werden.
| Riegeltyp | Was meist im Vordergrund steht | Welche Frage du dir stellen solltest |
|---|---|---|
| Proteinriegel | Die Proteinzufuhr | Brauche ich diese Proteinmenge tatsächlich, und welche Proteinquellen sind enthalten? |
| Energieriegel | Die Energiezufuhr, häufig durch Kohlenhydrate | Passt er zur Aktivität und zum Zeitpunkt, zu dem ich ihn essen werde? |
| Getreide- oder Fruchtriegel | Eine unterschiedliche Kombination von Zutaten | Wie ist die Portion tatsächlich zusammengesetzt? |
Die Produktkategorie ersetzt nicht den Blick auf das Etikett. Ein Energieriegel ist nicht unbedingt eine gute Proteinquelle; ein Proteinriegel ist während eines Wettkampfs nicht automatisch der geeignetste Energielieferant.
Vor, während oder nach dem Sport: Welchen Riegel brauchst du wirklich?
Der ideale Riegel hängt vom Ziel und vom Zeitpunkt der Verwendung ab. Die Energieversorgung während eines Wettkampfs und die Unterstützung der Muskelregeneration erfordern unterschiedliche Prioritäten: Ein möglichst hoher Proteingehalt ist nicht immer die hilfreichste Eigenschaft. Dauer, Intensität, vorherige Mahlzeiten und Verträglichkeit gehören ebenfalls zur Beurteilung. 14, 15
| Zeitpunkt | Hauptziel | Worauf du achten solltest |
|---|---|---|
| Vor dem Training oder Wettkampf | Mit verfügbarer Energie und ohne Verdauungsbeschwerden starten | Zur Belastung passende Kohlenhydratmenge und eine Portion, die zur verbleibenden Zeit passt; besonders kurz vor dem Start wenig Fett und Ballaststoffe sowie keine übermässige Proteinmenge |
| Während einer längeren Belastung | Energie liefern, ohne die Verträglichkeit zu beeinträchtigen | Überwiegend Kohlenhydrate, klar angegebene Menge pro Portion, wenig Fett und Ballaststoffe; leicht zu öffnen, zu portionieren und zu kauen |
| Nach dem Training oder Wettkampf | Die Muskelregeneration unterstützen und verbrauchte Energiereserven auffüllen | Hochwertige Proteine mit essenziellen Aminosäuren; Kohlenhydrate abgestimmt auf die Belastung und die Zeit bis zur nächsten Einheit |
Die ernährungsbezogenen Prioritäten ergeben sich aus Empfehlungen zur Sporternährung; Verpackung und Kaubarkeit sind praktische Entwicklungskriterien. Keine Tabelle ersetzt die Prüfung der persönlichen Verträglichkeit. 4, 14, 15
Davor: verfügbare Energie, ohne zu belasten
Je näher der Start rückt, desto wichtiger werden Portionsgrösse und leichte Verdaulichkeit. Ein sehr protein-, fett- oder ballaststoffreicher Riegel kann zu diesem Zeitpunkt ungeeignet sein, besonders für Menschen mit Magen-Darm-Beschwerden. Das bedeutet nicht, dass diese Nährstoffe in der täglichen Ernährung unerwünscht sind. 14
Ein Riegel kann einen geplanten Snack ergänzen, sollte aber nicht automatisch zusätzlich zu einer bereits ausreichenden Mahlzeit gegessen werden. Die sinnvolle Menge hängt davon ab, was du gegessen hast und welche Belastung bevorsteht. Eine neue Rezeptur sollte im Training ausprobiert werden, statt sie am Wettkampftag zum ersten Mal zu testen. 4, 14
Währenddessen: Im Ausdauersport zählt vor allem die Energieversorgung
Bei einer kurzen, lockeren Einheit ist möglicherweise überhaupt kein Riegel nötig. Bei längeren Belastungen kann ein kohlenhydratreicher Energieriegel dagegen zur Versorgung beitragen: Ein Proteinriegel mit wenigen Kohlenhydraten erfüllt nicht dieselbe Aufgabe. 14, 16
Als Orientierung werden bei Ausdaueraktivitäten von etwa 1–2,5 Stunden häufig 30–60 g Kohlenhydrate pro Stunde eingesetzt; bei mehr als ungefähr 2,5–3 Stunden können es bis zu 90 g pro Stunde sein, mit Kohlenhydratmischungen und trainierter Verträglichkeit. Gemeint ist die Gesamtmenge aus Lebensmitteln, Gels und Getränken. Sie muss nicht ausschliesslich über Riegel erreicht werden und ist kein allgemeingültiges Ziel für jedes Training. 14, 16
Ein Beispiel zum Lesen des Etiketts: Ein hypothetischer Riegel mit 20 g Protein und 5 g Kohlenhydraten liefert für die Kohlenhydratversorgung nur 5 g, nicht 25. Die Bezeichnung «Proteinriegel» macht ihn nicht zu einem gleichwertigen Ersatz für einen Energieriegel.
Unterwegs zählen auch die Möglichkeit, kleine Bissen zu essen, und die Konsistenz bei den erwarteten Temperaturen. Ist das Kauen umständlich oder wird feste Nahrung schlecht vertragen, kann der Ernährungsplan andere Darreichungsformen einbeziehen. Ein Riegel ersetzt keinen Plan für die Flüssigkeitszufuhr. 4, 16
Danach: essenzielle Aminosäuren und das Auffüllen der Energiereserven
Hier kann ein Proteinriegel eine praktische Rolle spielen, wenn er hochwertiges Protein liefert und zum Tagesbedarf passt. Die ISSN-Empfehlungen nennen häufig 20–40 g hochwertiges Protein pro Einnahme, angepasst an die Person: Das ist keine vorgeschriebene Menge für jeden Riegel. Auch beweist die Angabe dieser Menge auf dem Etikett noch keine hohe Proteinqualität. 15
Nach einem langen Wettkampf oder wenn bald eine weitere Einheit ansteht, müssen auch Kohlenhydrate berücksichtigt werden. Ein nahezu kohlenhydratfreier Riegel kann zur Proteinversorgung beitragen, aber die Energiereserven nicht allein wieder auffüllen. Ebenso wichtig ist die gesamte Ernährung: Es besteht keine Pflicht, innerhalb weniger Minuten einen Riegel zu essen, insbesondere wenn ohnehin eine geeignete Mahlzeit geplant ist. 15
Warum eine einzige Rezeptur nicht für jeden Zeitpunkt optimal ist
Bei einem Riegel für die Regeneration können Proteine im Vordergrund stehen; ein Riegel zur Versorgung während eines Wettkampfs muss vor allem die Kohlenhydratzufuhr erleichtern. Gleichzeitig möglichst viel Protein, sehr wenig Zucker und eine schnelle Energiezufuhr zu verlangen, bedeutet, derselben Rezeptur unterschiedliche Ziele zuzuweisen.
Das verdeutlicht auch das Vorhaben von SNM: Eine hohe Zufuhr essenzieller Aminosäuren ist ein Ziel für unseren zukünftigen Proteinriegel, kein allgemeingültiges Kriterium für jeden Sportriegel. Der Verwendungszweck muss feststehen, bevor die Rezeptur beurteilt wird.
Viel Protein, aber möglicherweise eine sehr geringe ernährungsphysiologische Qualität
Ein Riegel kann viel Protein enthalten und dennoch eine sehr geringe Proteinqualität aufweisen. Das ist das kritische Ergebnis einer Studie von 2025: Nachdem die Forschenden die Nährwertdaten von 1’641 Riegeln untersucht hatten, unterzogen sie vier ausgewählte Produkte einer simulierten Verdauung. Alle zeigten niedrige Proteinqualitätswerte; der höchste in vitro geschätzte DIAAS betrug 61, während er beim Riegel mit Milchprotein, Kollagen und Soja unter 10 lag. Diese Werte sind keine Prozentangaben zur Proteinaufnahme beim Menschen. 1
Entscheidend sind die essenziellen Aminosäuren, die wir über die Ernährung aufnehmen müssen: Es zählt nicht nur, wie viele Gramm Protein ein Produkt enthält, sondern welche Aminosäuren es liefert und wie gut sie nach der Verdauung verfügbar sind. Kollagen kann die Gesamtproteinmenge erhöhen, ohne eine entsprechende Menge essenzieller Aminosäuren bereitzustellen. Auch die Kombination mit anderen Zutaten kann deren Verfügbarkeit beeinflussen. 1
Das Problem ist konkret, doch die Studie belegt nicht, dass die meisten Riegel Proteine von sehr schlechter Qualität verwenden: Die experimentelle Untersuchung umfasst vier Produkte, und das Ergebnis hängt auch von der fertigen Rezeptur ab, nicht allein vom Rohstoff. 1
Mehr dazu erfährst du im Beitrag über den Unterschied zwischen Aminosäuren und Proteinen.
Warum die Entwicklung eines guten Riegels komplex ist
Ein Riegel muss angenehm zu essen und transportierbar sein sowie während der Lagerung geeignete Eigenschaften behalten. Wird eine Zutat erhöht oder eine andere reduziert, können sich Geschmack, Struktur und Verhalten im Laufe der Zeit gleichzeitig verändern.
Protein, weiche Konsistenz und Lagerstabilität müssen zusammenpassen
In einer Studie von 2025 wurden experimentelle Riegel mit Erbsen-, Molken- oder Reisprotein während einer sechswöchigen Lagerung härter. Die Forschenden untersuchten auch die Oxidation von Proteinen und Fetten und zeigten damit, wie stark die Stabilität von der Rezeptur abhängt. 2
Die praktische Konsequenz betrifft die Produktentwicklung: Eine angenehme Konsistenz am Herstellungstag allein reicht nicht aus. Ihre Veränderung muss ebenfalls beurteilt werden. Eine Verhärtung oder ein im Labor gemessener Oxidationsmarker allein belegt keine gesundheitliche Schädigung beim Verzehr eines Riegels. Die Studie war keine klinische Untersuchung zu dieser Frage. 2
Weniger Zucker löst nicht jedes Problem
Eine 2026 veröffentlichte Übersichtsarbeit beschreibt Strategien, um die Blutzuckerreaktion auf Energieriegel zu verändern: durch andere Kohlenhydratquellen und den Einsatz von unter anderem Ballaststoffen und Zuckerersatzstoffen. Sie zeigt, dass sich bestimmte Rezepturparameter verbessern lassen. 3
Ein niedrigerer glykämischer Index bedeutet jedoch nicht automatisch weniger Kalorien und belegt für sich genommen auch nicht, dass das Produkt langfristig die Gesundheit verbessert. Die Übersichtsarbeit behandelt vor allem Rezeptureigenschaften und die Blutzuckerreaktion; sie liefert keinen abschliessenden Nachweis eines klinischen Nutzens. 3
Die richtige Frage lautet deshalb: Welches Ziel soll dieser Riegel erfüllen? Ein alltäglicher Snack und ein Lebensmittel während einer längeren sportlichen Belastung dienen unterschiedlichen Bedürfnissen.
Auch die Verträglichkeit zählt
Während körperlicher Belastung kann der Verdauungstrakt anders reagieren als in Ruhe. Ein Konsenspapier zur Sporternährung von 2025 betont die individuellen Unterschiede bei Magen-Darm-Beschwerden und die Bedeutung einer Ernährung und Zufuhrstrategie, die zur Person und zur Aktivität passen. 4
Deshalb sollte die Verträglichkeit eines Riegels unter den Bedingungen geprüft werden, in denen er verwendet wird, möglichst im Training vor einem Wettkampf. «Er schmeckt mir» und «Ich vertrage ihn beim Laufen gut» sind nicht dieselbe Beurteilung. Ballaststoffe und süssende Zutaten müssen im Zusammenhang mit der Rezeptur und der individuellen Reaktion betrachtet werden, ohne eine einzelne Zutat pauschal verantwortlich zu machen.
Vom Labor in den Rucksack: Hitze, Kälte und Monate ohne Kühlschrank
Stell dir denselben Riegel frisch hergestellt, nach mehreren Wochen im Lager und während einer Wanderung vor. Verbraucherinnen und Verbraucher möchten, dass er immer gut schmeckt, leicht zu kauen und praktisch zu transportieren ist. Der Hersteller muss diese Erwartungen in Lagerbedingungen und messbare Prüfungen übersetzen. Eine allgemeine Widerstandsfähigkeit «gegen alles» gibt es nicht.
Hitze stellt mehr als nur die Form auf die Probe
In einem 2020 veröffentlichten Experiment wurden 15 Rezepturen mit unterschiedlichen Proteinen und Süssungsmitteln 35 Tage lang bei 35 °C und 55 % Luftfeuchtigkeit gelagert. Die Forschenden verfolgten Geschmack und Konsistenz über die Zeit: Eine andere Proteinquelle oder ein anderes Süssungsmittel veränderte das Verhalten des Produkts. Ein solcher beschleunigter Test dient der Untersuchung der Stabilität; er rechtfertigt nicht automatisch das Versprechen einer bestimmten Anzahl Monate Haltbarkeit in jeder Umgebung. 6
Bei einem schokoladenüberzogenen Riegel kommt das Verhalten der Glasur hinzu. Wärme und anschliessendes Abkühlen können die Anordnung der Fette verändern und den weisslichen Belag begünstigen, der als Fettreif oder fat bloom bezeichnet wird. Dies beeinflusst das Aussehen und die wahrgenommene Qualität. Eine Arbeit von 2025 erklärt, warum die Zusammensetzung allein nicht genügt: Auch die Kristallisation während der Verarbeitung bestimmt die Stabilität. Diese Erkenntnisse betreffen Schokolade und sind für Überzüge relevant; sie stellen keine Untersuchung sämtlicher Proteinriegel dar. 7
Auch Kälte muss geprüft werden
Ein Riegel, der im Freien gegessen werden soll, muss auch bei der tatsächlichen Verzehrtemperatur beurteilt werden: Lässt er sich abbeissen und kauen? Behält der Überzug die gewünschten Eigenschaften? Wie reagiert er auf den Wechsel von einer kalten in eine warme Umgebung?
Das sind Fragen der Produktentwicklung, keine bereits für jede Rezeptur bewiesenen Ergebnisse. Die Forschung zur Kristallisation von Schokolade zeigt, wie wichtig Abkühlung und bisheriger Temperaturverlauf sind. Sie liefert jedoch keine allgemeingültige Mindesttemperatur für jeden Riegel. 7
«Ohne Kühlschrank lagerbar» bedeutet, dass das Produkt für bestimmte Bedingungen entwickelt wurde – nicht, dass es gleichermassen in einem Auto in der Sonne, in einem winterlichen Rucksack oder auf einem feuchten Regal liegen kann. Die Lagerhinweise gehören zu den Bedingungen, unter denen die Haltbarkeit beurteilt werden muss.
Ohne Kühlkette: das empfindliche Gleichgewicht des Wassers
Um Lagerstabilität zu verstehen, muss man zwischen der Wassermenge in einem Lebensmittel und dem Wasser unterscheiden, das für Mikroorganismen und Reaktionen verfügbar ist. Diese zweite Eigenschaft heisst Wasseraktivität. Sie lässt sich nicht einfach daraus ableiten, wie sich ein Riegel anfühlt oder wie weich er ist.
Zutaten wie Glycerin können helfen, das verfügbare Wasser und die Konsistenz zu steuern. Eine Studie von 2009 an Modellsystemen auf Molkenproteinbasis verglich verschiedene Polyole: Glycerin erwies sich als besonders wirksam, um die Wasseraktivität zu senken und eine weiche Struktur zu erhalten. Das ist ein technologisches Beispiel, kein Grund, diese Zutat als unverzichtbar oder alle Rezepturen als gleich zu betrachten. 8
Weniger verfügbares Wasser bedeutet allerdings keine Sterilisation. Die Fachliteratur zur Sicherheit von Lebensmitteln mit niedrigem Wassergehalt erinnert daran, dass manche Krankheitserreger überdauern können: Rohstoffqualität, Hygiene und Prozesskontrolle bleiben wesentlich. Die zitierte Übersichtsarbeit von 2024 betrifft diese allgemeine Lebensmittelkategorie; sie belegt nicht, dass handelsübliche Riegel verunreinigt sind. 9
Die Aufgabe ist somit zweifach: eine überprüfte Stabilität erreichen, ohne den Genuss zu beeinträchtigen. Einfach Wasser hinzuzufügen, um den Riegel weicher zu machen, oder es zur Konservierung zu entfernen, löst nicht das gesamte Problem.
Haltbarkeit: Auch die Verpackung entscheidet
Die Shelf Life, also die Haltbarkeitsdauer, bezeichnet den Zeitraum, in dem ein Lebensmittel unter den vorgesehenen Bedingungen festgelegte Anforderungen an Sicherheit und Qualität erfüllt. Dabei geht es nicht nur um Schimmelbildung: Geschmack, Geruch, Konsistenz und Unversehrtheit der Verpackung gehören ebenfalls zur Beurteilung.
Eine 2012 veröffentlichte Studie zu proteinreichen Riegeln aus mehreren Zutaten verglich unterschiedliche Verpackungsmaterialien sowie Vakuumverpackungen bei Umgebungstemperaturen zwischen 15 und 34 °C und bei 37 °C. Die Verhärtung erwies sich als begrenzender Faktor der Haltbarkeit, obwohl unter den untersuchten Bedingungen chemische und mikrobiologische Stabilität bestand. 10
Der entscheidende Punkt: Ein Riegel kann unangenehm zu essen werden, bevor ein mikrobiologisches Problem auftritt. Und die Verpackung ist mehr als eine Fläche für das Markenlogo: Ihre Fähigkeit, den Austausch mit der Umgebung zu begrenzen, trägt zur Haltbarkeit bei. Ein weiteres Experiment von 2005 stellte während einer sechsmonatigen Lagerung erhebliche Auswirkungen verschiedener Verpackungsbarrieren auf die Stabilität von Riegeln fest. 11
Diese Arbeiten sind älter, befassen sich aber unmittelbar mit dem Problem. Sie ergänzen die neueren Studien und werden nicht als Forschung aus den Jahren 2025 oder 2026 dargestellt.
Warum verwendet die Industrie Süssungsmittel, Aromen, Emulgatoren und Konservierungsstoffe?
Diese Zutaten lösen unterschiedliche Probleme. Sie sind nicht alle in jedem Riegel enthalten und nicht untereinander austauschbar. Die Tabelle unterscheidet ihre allgemeinen Funktionen; sie beschreibt keine Rezeptur einer bestimmten Marke. 6, 8, 12, 13
| Kategorie | Mögliche Funktion | Was sich daraus nicht ableiten lässt |
|---|---|---|
| Süssungsmittel | Die gewünschte Süsse erzielen; manche tragen auch zu Volumen und Struktur bei | «Weniger Zucker» beschreibt allein weder die ernährungsphysiologische Qualität noch die Verträglichkeit |
| Feuchthaltemittel wie Glycerin | Das verfügbare Wasser steuern und eine weiche Konsistenz unterstützen | Ein weicher Riegel ist nicht zwangsläufig frisch oder reich an verfügbarem Wasser |
| Aromen | Ein erkennbares Geschmacksprofil schaffen und unerwünschte Noten ausgleichen | Das Wort «Aroma» allein belegt weder Schädlichkeit noch Produktqualität |
| Emulgatoren | Je nach Rezeptur die Verteilung und Stabilität von Bestandteilen fördern, die sich sonst trennen würden | Ihre technologische Funktion ist nicht gleichbedeutend mit einem ernährungsphysiologischen Nutzen |
| Antioxidationsmittel | Oxidationsprozesse begrenzen | Sie ersetzen nicht automatisch die mikrobiologische Kontrolle |
| Antimikrobielle Konservierungsstoffe | Bestimmte Mikroorganismen hemmen, wenn dies notwendig und geeignet ist | Sie ersetzen weder angemessene Hygiene noch geeignete Verarbeitung und Verpackung |
Der Geschmack ist ein interessantes Beispiel: In der Studie von 2020 zeigten einige Rezepturen mit Stevia oder Mönchsfrucht bittere oder metallische Noten. Die pflanzliche Herkunft des Süssungsmittels garantierte also keine perfekte sensorische Lösung. Das Ergebnis betraf diese Rezepturen, nicht alle Produkte mit diesen Zutaten. 6
Es ist genauer, über Aromen und ihre Funktionen zu sprechen, statt «chemische Aromen» als Risikokategorie zu behandeln. Ebenso reicht es nicht, die Stoffgruppe eines Zusatzstoffs zu kennen, um seine gesundheitlichen Auswirkungen zu beurteilen: Dazu braucht es Informationen über den Stoff, die Mengen und die Exposition. Übersichtsarbeiten zu Zusatzstoffen und pflanzlichen Alternativen beschreiben unterschiedliche Funktionen und Grenzen, keine einfache Trennung zwischen «natürlich ist gut» und «synthetisch ist schlecht». 12
Der schwierigste Kompromiss: alles gleichzeitig erfüllen
Verbraucherinnen und Verbraucher wünschen sich möglicherweise viel Protein, wenig Zucker, wenige Zutaten, guten Geschmack, eine weiche Konsistenz, gute Verträglichkeit und lange Haltbarkeit. Hersteller müssen zudem bei der Verarbeitung und im Vertrieb reproduzierbare Ergebnisse erzielen. Schwierig wird es, wenn dieselbe Rezeptur all diese Anforderungen gleichzeitig erfüllen soll.
Wird eine Zutat reduziert, muss ihre Funktion möglicherweise an anderer Stelle aufgefangen werden: Süsse, Struktur oder Wasserregulierung. Eine andere Proteinquelle kann Konsistenz und Geschmack verändern. Ein Überzug fügt eine weitere zu stabilisierende Komponente hinzu. Das bedeutet nicht, dass jede Änderung zwangsläufig einen neuen Zusatzstoff erfordert, sondern dass die Rezeptur als Ganzes neu beurteilt werden muss. 6, 7, 8
Ein überzeugender Nachweis muss sich deshalb auf das fertige Produkt beziehen: frisch hergestellt, während der vorgesehenen Lagerdauer und unter den angegebenen Nutzungsbedingungen. Technologische Prüfungen überprüfen Stabilität und Qualität; allein belegen sie keinen langfristigen klinischen Nutzen.
Reicht eine kurze Zutatenliste aus?
Nein. Sie kann ein Produkt leichter verständlich machen, aber das Zählen von Zutaten ersetzt keine ernährungsphysiologische Beurteilung.
Eine Studie von 2026 untersuchte 1’930 Produkte aus fünf Lebensmittelkategorien in Québec, darunter 369 Getreideriegel. Die Zusammenhänge zwischen der Anzahl der Zutaten und der ernährungsphysiologischen Qualität unterschieden sich je nach Kategorie und Bewertungssystem. Die Autorinnen und Autoren kamen zum Schluss, dass die Zutatenanzahl allein kein zuverlässiger Indikator ist. 5
Die Studie betraf nicht ausschliesslich Proteinriegel und untersuchte keine gesundheitlichen Auswirkungen bei Verbraucherinnen und Verbrauchern. Sie hilft jedoch, eine verbreitete Vereinfachung zu vermeiden: «wenige Zutaten» bedeutet nicht automatisch «ausgewogenes Produkt». Ebenso beweist eine längere Liste für sich genommen nicht, dass ein Lebensmittel schädlich ist. 5
Warum Swiss Natural Med vorerst keine Riegel verkauft
Bei Swiss Natural Med haben wir uns sehr hohe Qualitätsstandards gesetzt. Bisher hat keiner unserer Versuche, einen Riegel zu entwickeln, der sie alle gleichzeitig erfüllt, dieses Ziel erreicht. Deshalb bieten wir keinen in unserem Sortiment an.
Wir möchten einen Riegel mit einer hohen Menge und einem ausgewogenen Profil essenzieller Aminosäuren entwickeln – ohne künstliche Süssungsmittel, ohne künstliche Aromen und ohne Zusatzstoffe, bei deren Sicherheit nach unseren Bewertungskriterien Zweifel verbleiben. Letzteres ist ein internes Vorsorgekriterium, kein pauschales Urteil über alle Zusatzstoffe oder die Riegel anderer Hersteller.
Hinzu kommen müssen guter Geschmack, gute Verträglichkeit, eine angenehme Konsistenz und Stabilität ohne Kühlkette – über die vorgesehene Haltbarkeitsdauer und unter den geplanten Lager- und Nutzungsbedingungen. Es reicht nicht, dass eine Rezeptur unmittelbar nach der Herstellung funktioniert: Das fertige Produkt muss seine erwarteten Eigenschaften während seiner gesamten Vermarktungsdauer behalten.
All diese Anforderungen nach unseren Standards zu vereinen, ist uns bisher nicht gelungen. Wir werden weiter daran arbeiten. Bevor wir einen Riegel auf den Markt bringen, warten wir lieber auf eine Lösung, die wir für geeignet halten.
Das beschreibt unsere Entwicklungserfahrung und unsere unternehmerische Entscheidung. Es bedeutet nicht, dass die Wissenschaft die Herstellung eines guten Riegels grundsätzlich für unmöglich erklärt.
Meine Überlegung: Suchen wir Sporternährung oder eine Süssigkeit?
Ein Gedanke von Derry Procaccini, dem Autor dieses Artikels
Wenn die Proteinqualität geopfert wird, um einen Riegel schmackhaft und leicht verkäuflich zu machen, und der Geschmack auf künstlichen Süssungsmitteln, Aromen und Farbstoffen sowie Zusatzstoffen beruht, für deren Sicherheit ich mir stärkere Nachweise wünsche, frage ich mich, was das Versprechen «für den Sport» noch bedeutet. Die Gefahr besteht darin, dass Käuferinnen und Käufer, angelockt von Geschmack und Verpackung, wenig darauf achten, was die Rezeptur tatsächlich bietet.
Meine provokante Überlegung lautet: Wenn ich vor allem eine Süssigkeit möchte, kann ich genauso gut bewusst einen klassischen Schokoriegel wie Mars oder Snickers wählen, ohne ihm ungeprüfte sportbezogene Eigenschaften zuzuschreiben. Bei diesem Vergleich geht es um eine bewusste Kaufentscheidung: Ich behaupte nicht, dass diese Produkte ernährungsphysiologisch gleichwertig mit oder besser als ein Proteinriegel sind.
Wenn ich hingegen ein Lebensmittel für den Sport suche, möchte ich wissen, welche Proteine es enthält, welche Menge essenzieller Aminosäuren es liefert und ob seine Zusammensetzung zum vorgesehenen Einnahmezeitpunkt passt. Auch die Funktion der übrigen Zutaten möchte ich verstehen. Allein eine künstliche Herkunft ist für mich kein Beweis für Gefährlichkeit: Mein Massstab ist eine sorgfältige Beurteilung der Rezeptur, ohne dass Geschmack und Marketing die ernährungsphysiologische Qualität ersetzen.
Wer einen Sportriegel sucht, sollte sich über seine Zusammensetzung informieren und nicht bei der Aufschrift «high protein» stehen bleiben. Dieses Bewusstsein möchte ich fördern.
Derry Procaccini
Wie du einen Riegel vor dem Kauf beurteilen kannst
Fünf konkrete Fragen helfen dir dabei:
- Wofür brauche ich ihn? Ein Snack, die Proteinversorgung und die Energiezufuhr während des Sports sind unterschiedliche Ziele.
- Was liefert die ganze Portion? Vergleiche Energie, Protein, Zucker, gesättigte Fettsäuren, Ballaststoffe und Salz. Die Werte pro 100 Gramm erleichtern den Vergleich; die Werte pro Portion beschreiben, was du tatsächlich isst.
- Welche Proteinquellen sind enthalten? Lies die Zutatenliste: Die Gesamtzahl der Gramm beschreibt allein noch nicht die Proteinqualität.
- Wie gut vertrage ich ihn? Berücksichtige Menge, Verzehrzeitpunkt und deine persönliche Verdauungsreaktion, insbesondere bei der Verwendung während körperlicher Aktivität.
- Was ersetzt oder ergänzt er in meiner Ernährung? Die Beurteilung fällt anders aus, wenn er gelegentlich einen praktischen Bedarf deckt, als wenn er unabhängig von Mahlzeiten und deinem Bedarf zur automatischen Wahl wird.
Du brauchst keine einzelne Zahl, die einen Riegel für «gut» oder «schlecht» erklärt. Entscheidend ist, ob dieses Produkt in dieser Menge und in diesem Zusammenhang zu dir passt.
Häufige Fragen zu Proteinriegeln
Sind Proteinriegel gesund oder ungesund?
Für die gesamte Kategorie lässt sich das nicht pauschal beantworten. Ein hoher Proteingehalt bestätigt nicht die Gesamtqualität; umgekehrt macht die Riegelform ein Lebensmittel nicht automatisch schädlich. Zusammensetzung, Portion, Häufigkeit und die gesamte Ernährung müssen berücksichtigt werden.
Wann sollte man einen Proteinriegel essen?
Der Zeitpunkt hängt vom Ziel ab: Vor dem Sport zählen verfügbare Energie und Verdauung; während längerer Belastung stehen Kohlenhydrate im Vordergrund; danach kann ein Proteinriegel die Regeneration unterstützen, wenn er hochwertiges Protein liefert. Zu keinem dieser Zeitpunkte ist ein Riegel zwingend erforderlich. 14, 15, 16
Wie viele Proteinriegel pro Tag?
Es gibt keine Zahl, die für alle gilt. Die Menge hängt vom Produkt und von der übrigen Ernährung ab. Ausgangspunkt ist der Gesamtbedarf, nicht eine täglich zu erreichende Anzahl Riegel.
Ist ein selbst gemachter Riegel zwangsläufig gesünder?
Bei der eigenen Zubereitung lassen sich Zutaten und Portionen selbst bestimmen. Das garantiert jedoch nicht automatisch ein besseres Nährwertprofil. Auch eine selbst gemachte Rezeptur muss hinsichtlich Zusammensetzung, Menge und Eignung für den vorgesehenen Zweck beurteilt werden.
Wissenschaftliche Quellen
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